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Allergierisiko (Seite 1 von 2)
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Wie Sie Ihr Allergierisiko senken

Ekeln Sie sich vor Bandwürmern? Wenn nicht, dann interessiert sie sicher eine neue Therapieidee aus Japan. Dort hat Koichiro Fujita, Medizinprofessor aus Tokio, seinen Heuschnupfen mit einem Bandwurm kuriert. In seinem Bauch wuchs das Tier bis auf eine Länge von eineinhalb Metern heran. "Schlagartig fühlte ich mich besser", meint Fujita. Jetzt haben bereits tausend Japaner bei ihm um einen eigenen Bandwurm gebeten. Der japanische Forscher entwickelt gerade ein Medikament aus dem antiallergischen Wirkstoff des Bandwurms. Ob und wann das neue Mittel auf den Markt kommt, ist unklar.

Ganz so abwegig ist die Idee des japanischen Professors aber nicht. "Da ist auf jeden Fall etwas dran", meint Dietrich Abeck, Professor für Dermatologie und Allergologie aus München. "Studien belegen, dass Wurmerkrankungen vor Allergien schützen können." Die lebende Arznei empfiehlt er dennoch nicht.

"Gerade Heuschnupfen können wir seit rund fünf Jahren in den meisten Fällen wunderbar therapieren", sagt der Allergieexperte Abeck. "Für fast jeden Patienten lässt sich ein passendes Konzept erarbeiten." Günstig ist ein frühzeitiger Therapiebeginn, am besten, bevor die saisonalen Symptome auftreten. Bei rund jedem vierten Patienten entwickelt sich aus dem Heuschnupfen ein Asthma bronchiale und damit eine gefährliche Erkrankung. Experten nennen diese Veränderung des Krankheitsbildes "Etagenwechsel". In schweren Fällen kann eine spezielle Therapie, die Hyposensibilisierung, diesen Etagenwechsel verhindern.


Warum leiden immer mehr Menschen an einer Allergie?
Wissenschaftler streiten seit Jahren über die Frage, warum Allergien zunehmen, und haben verschiedene Hypothesen aufgestellt. Glaubt man der "Infektionshypothese", dann erkranken immer weniger Kinder an Infektionskrankheiten wie der früher gefürchteten Tuberkulose oder den Masern. Die Folge ist eine erhöhte Allergiebereitschaft des Körpers: Finden sich keine Krankheitserreger mehr, dann bekämpft der Körper beispielsweise Blütenpollen. "Das Immunsystem sucht sich sozusagen ein anderes Spielfeld", so Dietrich Abeck zu dieser Entwicklung.

Experten machen zunehmend auch Umweltfaktoren für die Allergiezunahme verantwortlich. Im Haus erhöhen so z. B. die Inneneinrichtung (Teppiche und Hausstaubmilben) und das Kochen mit offenem Gas das Allergierisiko für Anfällige. Luftschadstoffe können das allergene Potenzial von Pollen erhöhen und reizen zugleich die menschlichen Atemwege.

Auch der soziale Status scheint eine Rolle zu spielen. "Je besser eine Familie gestellt ist", so erklärt Abeck, "desto häufiger treten allergische Erkrankungen auf." Peinliche Sauberkeit wirkt sich offensichtlich ungünstig aus. Ähnliches gilt für Stress. Wissenschaftler haben auch den westlichen Lebensstil als zusätzlichen Risikofaktor im Visier. Nach dem Fall der Mauer staunte die Fachwelt über Studien, wonach in Ostdeutschland weniger Allergien auftraten als im Westen. Ein Grund unter vielen könnte sein, dass ostdeutsche Kleinkinder in Krippen mehr Infekte aufschnappten und so ihr Immunsystem trainierten. Und in der Tat gleicht sich seit der Wiedervereinigung Deutschlands auch die Allergiehäufigkeit in Ost und West langsam, aber stetig einander an.

 

 
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